Zum Inhalt springen
Das Foto zeigt sieben Sportlerinnen, die nebeneinander in einer Reihe stehen. Sie tragen jeweils eine Medaille um ihren Hals und werfen ihre Arme zum Jubel in die Luft

24.06.2026

Mehr als Fußball: Internationale Begegnungen und große Emotionen

Während aktuell in den USA, Kanada und Mexiko die Fußball-Weltmeisterschaft der Männer die Blicke der Welt auf sich zieht, zeigte sich im Saarland eine andere Seite dieses Sports. Nach einer Sportwoche voller Begegnungen, internationaler Teams und gemeinsamer Momente blicken wir zurück auf einen Wettbewerb, bei dem nicht nur Tore, sondern vor allem Teamgeist, Respekt und Freude an der Bewegung im Mittelpunkt standen.

Im Stadion FC-Sportfeld hüpft Amelia mehrfach in die Luft und strahlt über das ganze Gesicht. Ihre Mitspielerinnen laufen auf sie zu, um gemeinsam ihr Tor zu bejubeln. Auch die Spielerinnen der gegnerischen Mannschaft und die Zuschauer*innen auf der Tribüne freuen sich mit der Athletin. Als Spielerin des DJK Franz Sales Haus hat Amelia gerade gegen Frau am Ball Berlin getroffen. Ein Moment voller Freude. Ein Moment, der zeigt, was Fußball ausmacht.

Ein Wettbewerb, vier Perspektiven

Das Unified Frauenturnier der Nationalen Spiele ist längst ein internationaler Wettbewerb. Neben fünf deutschen Delegationen traten im Saarland Teams aus Kosovo, Bosnien-Herzegowina und Israel an. Unterschiedliche Länder, unterschiedliche Geschichten – aber ein gemeinsames Ziel: Fußball zu spielen und gemeinsam besondere Momente zu erleben.

Von diesen gab es in der Sportwoche zahlreiche. Dazu zählen für Amelia auch das Zusammentreffen mit internationalen Teams. „Es ist eine große Ehre, dass wir hier spielen können“, erzählt die 18-Jährige aus Wuppertal. Zwei Erlebnisse bleiben ihr besonders in Erinnerung: „Meine beiden Tore waren eine große Freude. Ich habe das mit meiner Mannschaft abgefeiert“, sagt sie stolz.

 

Genau diese Geschichten sind für Thomas Novy, Trainer der Frauenmannschaft des DJK Franz Sales Haus, das, was die Nationalen Spiele ausmacht. „Die große Freude zu sehen, wenn die Mädels ein Tor schießen, das ist besonders schön. Amelia ist hierhergefahren und hat gesagt: Das wird sowieso alles nichts. Jetzt hat sie schon zwei Tore geschossen.“

Im Jahr 2022 schaute sich Novy bei den Nationalen Spielen in Berlin die Frauenwettbewerbe an und stellte sich die Frage: Warum gibt es so wenige Angebote für Mädchen und Frauen im Fußball? In Essen baute er daraufhin die fehlenden Strukturen auf. Heute gibt es dort zwei Frauenmannschaften. „Da ist Leidenschaft auf dem Platz. Da geht es fair zu. Das ist Fußball, wo richtig Emotionen drinstecken.“

Gerade die internationalen Begegnungen machen das Turnier für ihn besonders. Vor allem das Spiel gegen Israel sei für Ihn emotional gewesen: „Ich bin seit 20 Jahren Trainer, aber das habe ich noch nie erlebt. Das ist für mich auf einem Level mit dem Finale bei den Weltspielen gegen Portugal. Das sind Spieler und Trainer, die man vielleicht nur einmal im Leben sieht.“

Nach dem Abpfiff motiviert Novy seine Spielerinnen, noch einmal auf das gegnerische Team zuzugehen und deren Leistung anzuerkennen.

 

Auch die Delegation aus Bosnien-Herzegowina erlebte ihre erste Teilnahme an Special Olympics Nationalen Spielen in Deutschland als etwas Besonderes. Cheftrainerin Ivana Vlaić bezeichnet vor allem die Begegnungen mit anderen Mannschaften als wertvolle Erfahrung. „Unser Ziel hier ist es, Freundschaften zu schließen und Fußball zu genießen. Der Wettbewerb kommt erst an zweiter Stelle“, beschreibt sie treffend den besonderen Geist des Turniers. Denn der Umgang zwischen den Teams ist sowohl auf als auch neben dem Platz von Respekt und gegenseitiger Unterstützung geprägt. Sie ergänzt dennoch: „Wir freuen uns auch immer, wenn wir Spiele gewinnen.“

Ivana Vlaić berichtet von einem Moment, der ihr besonders in Erinnerung bleiben wird: Nach einem gewonnenen Spiel habe eine Spielerin des gegnerischen Teams geweint. „Daraufhin sind alle anderen Spielerinnen wie selbstverständlich zu ihr gegangen, haben sie getröstet und umarmt.“

 

Schiedsrichter Sascha Scherer vom Saarländischen Fußballverband steht Woche für Woche auf Fußballplätzen. Doch die Atmosphäre bei den Nationalen Spielen ist für ihn etwas Besonderes. „Was sich komplett unterscheidet, ist der Umgang miteinander. Angefangen bei den Trainern über die Spielerinnen bis hin zu den Offiziellen: Es ist wesentlich freundlicher. Man hat einen Umgang auf Augenhöhe und versucht fair und freundschaftlich miteinander umzugehen“, beschreibt er seine Erfahrungen.

Besonders beeindruckte ihn die gegenseitige Unterstützung. Wenn es ein Foul gibt, werde sich direkt geholfen und erkundigt, ob alles in Ordnung ist. „Das kennt man so aus dem Fußball nicht immer.“ Für seine Tätigkeit beim Saarländischen Fußballverband hat er wertvolle Erfahrungen gesammelt. „Ich nehme viel Kommunikation auf Augenhöhe mit. Ich kann mehr verbal und mit Zeichen kommunizieren. Das werde ich auch in Zukunft stärker umsetzen.“

 

Nach dem letzten Spiel verlässt Amelia den Platz. Beim Weg in Richtung Kabine wird sie von einer Spielerin des Teams aus Mönchengladbach gestützt – sie gehen Arm in Arm. Ein Bild, das den Geist der Nationalen Spiele zusammenfasst: die Leidenschaft für den Sport, Begegnungen über Grenzen hinweg und ein respektvoller Umgang miteinander.

Text: Marcel Wienands

Medienkontakt

Nadine Baethke

Pressesprecherin / Öffentlichkeitsarbeit
nadine.baethke@specialolympics.de
+49 (0)1577 / 13 69 108