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Das Foto zeigt Marcel und Sakina. Sakina sitzt im Rollstuhl, Marcel hockt neben ihr. In seiner rechten Hand hält er einen Blindenstock. Im Hintergrund ist die Tribüne vom Stadion Kieselhumes in Saarbrücken.

19.06.2026

Nationale Spiele als Investition in die Zukunft? Ein persönlicher Blick auf Barrierefreiheit bei den Nationalen Spielen

Sportgroßereignisse wie die Special Olympics Nationalen Spiele 2026 im Saarland gelten häufig als Motor für nachhaltige Verbesserungen. Mit umfangreichen Investitionen in Sportstätten und Barrierefreiheit wurden im Vorfeld der Spiele vom 15. bis 20. Juni 2026 Strukturen geschaffen, die weit über die Wettbewerbe hinaus wirken sollen. Doch wie barrierefrei sind die modernisierten Sportstätten tatsächlich? Dieser Frage möchte ich nachgehen und besuche dafür die Leichtathletik-Wettbewerbe im Stadion Kieselhumes.

Barrierefreiheit bedeutet Selbstständigkeit

Während der Nationalen Spiele bin ich im Saarland als Volunteer im Einsatz und mache mich auf den Weg zu den Leichtathletik-Wettbewerben. Das Stadion Kieselhumes ist eine von mehreren Sportstätten, die im Rahmen der Spiele umfangreich modernisiert und saniert wurden. Neben der neuen Tartanbahn und dem modernen Multifunktionsgebäude wurden zahlreiche weitere Maßnahmen umgesetzt, um die Barrierefreiheit zu verbessern.

Bereits am Eingang mache ich die erste Erfahrung: Mein Blindenstock gleitet über eine neue Leitlinie, die mir den Weg durch das Stadion weist. Das neue Leitsystem hilft blinden und sehbehinderten Besucher*innen, sich zu orientieren und sich selbstständig durch die Anlage zu bewegen. Für mich ist das etwas Besonderes. Nur wenige Stadien und Sportstätten, die ich kenne, verfügen über ein solches System. Die Leitlinie gibt mir Sicherheit und hilft mir, mich besser im Stadion zurechtzufinden.

Das positive Gefühl hält aber nur kurz an: Eine Palette steht auf der Leitlinie und blockiert meinen Weg. Ein kleines Hindernis mit großer Bedeutung. Es zeigt, dass Barrierefreiheit nicht nur durch bauliche Maßnahmen entsteht. Genauso wichtig ist auch das Bewusstsein dafür, dass diese vorgezeichneten Wege zu jeder Zeit freigehalten werden müssen, denn für manche Menschen sind sie eine wichtige Orientierungshilfe.

Sportliche Momente und Begegnungen

An der nächsten Gabelung führt einer der Wege zur Tribüne und zur Tartanbahn. Die Sonne scheint, die Stimmung ist ausgelassen. Gerade ist einer der zahlreichen 100-Meter-Läufe gestartet. Viele Läuferinnen liegen sich nach ihren Wettbewerben glücklich mit ihren Trainerinnen in den Armen.

Mit acht Laufbahnen verfügt das Stadion Kieselhumes nach den Modernisierungen als einzige Anlage im Saarland über diese Ausstattung. Doch nicht nur die sportlichen Bedingungen stehen im Mittelpunkt. Entscheidend ist, dass möglichst viele Menschen diese Momente erleben können. An der Tartanbahn treffe ich Sakina. Die 14-Jährige aus Webersberg erlebt die Nationalen Spiele vor der eigenen Haustür. Bereits zum zweiten Mal nimmt sie an Wettbewerben von Special Olympics teil und startet mit ihrem Rollstuhl bei den Laufwettbewerben. Für sie ist die Teilnahme etwas ganz Besonderes: „Ich finde es super, ich kann es manchmal gar nicht glauben“, erzählt Sakina stolz.

Im Gespräch merke ich schnell: Für Sakina geht es um mehr als einen Wettkampf. Es geht darum, dabei zu sein und die besondere Atmosphäre der Nationalen Spiele gemeinsam mit anderen Sportler*innen zu erleben. Im Stadion kommt sie überwiegend gut zurecht. Das meiste sei ebenerdig erreichbar. Lediglich das Essenszelt, das sich aus Platzgründen an einem kleinen Abhang befindet, sei aufgrund der Schräge und des steinigen Untergrunds für sie nur schwer zugänglich. Trotzdem überwiegt die Freude. Sakina kann ihre sportlichen Leistungen zeigen und Teil dieser besonderen Veranstaltung sein.

Etwas später steht Sakina selbst an der Startlinie. Angefeuert von den vielen Fans auf der Tribüne und ihren Teammitgliedern läuft sie freudestrahlend über die Ziellinie.

Barrierefreiheit ist ein Prozess

Das Leitsystem im Stadion führt mich hinter der Tribüne entlang und endet dort ohne weiteren Hinweis. Um die Sanitäranlagen zu finden, bin ich deshalb darauf angewiesen, fremde Menschen anzusprechen.

Mein Besuch im Stadion Kieselhumes zeigt: Barrierefreiheit entsteht nicht allein durch neue Anlagen und bauliche Veränderungen. Sie entsteht dort, wo Menschen mitgedacht werden. Mit den umgesetzten Maßnahmen sind wichtige erste Schritte gemacht, um Sportstätten für möglichst viele Menschen zugänglich zu gestalten. Gleichzeitig bleibt der direkte Austausch mit Menschen mit Behinderung entscheidend. Denn sie wissen am besten, welche Lösungen im Alltag funktionieren und wo Verbesserungen notwendig sind.

Sportevents wie die Nationalen Spiele können dazu beitragen, nachhaltige Veränderungen anzustoßen. Damit Sportstätten bleiben, die langfristig mehr Menschen offenstehen.

Text: Marcel Wienands

Medienkontakt

Nadine Baethke

Pressesprecherin / Öffentlichkeitsarbeit
nadine.baethke@specialolympics.de
+49 (0)1577 / 13 69 108