Zum Inhalt springen
Das Foto zeigt Dennis Mellentin und zwei Frauen. Dennis hat kurze dunkle Haare. Er trägt ein graues Jackett und ein weißes Hemd. Er spricht in ein Mikrofon.

11.06.2026

Interview: Athletensprecher Dennis Mellentin zu den Special Olympics Nationalen Spielen Saarland 2026

In ein paar Tagen beginnen die Special Olympics Nationalen Spiele im Saarland. Dennis Mellentin ist als Vizepräsident Athleten Präsidiumsmitglied bei Special Olympics Deutschland (SOD), außerdem ist er Nationaler Athletensprecher. Mellentin war selbst Radsportler und hat bei den Weltspielen in Abu Dhabi 2019 zweimal Bronze gewonnen.

Dennis, bald geht es los mit den Special Olympics Nationalen Spielen im Saarland. Als Athletensprecher kümmerst Du Dich natürlich hauptsächlich um die Athlet*innen. Was sind denn die meisten Fragen, die Dich jetzt schon erreichen? 

Na ja, die Standardfragen sind: Wie wird das Essen sein, wie sind die Sportstätten, wie sieht es da aus. Und natürlich werde ich gefragt, ob ich schon weiß, wie die Eröffnungsfeier wird und wie viele Leute da sein werden.  Aber das Essen beschäftigt die Athleten schon sehr. Ich sag dann immer, ich weiß noch nicht, wie das Essen ist, aber das wird sicher gut sein.

Du hast sicher in der Vorbereitung auch schon viel zu tun gehabt.

Oh, ja, das ist schon viel Arbeit vor den Spielen. Wir haben mit dem ehemaligen Nationalen Athletensprecher Marc Solomeyer eine AG gegründet. Gemeinsam mit Athleten aus dem Saarland und anderen regionalen Athletensprechern haben wir die Spiele vorbereitet. Wir leben auch hier wieder das Motto, was wir schon damals zu den Weltspielen 2023 in Berlin hatten: Von Athleten für Athleten. Das haben wir dieses Mal noch ein bisschen intensiver umgesetzt als früher.

Wenn nun die Nationalen Spiele vor der Tür stehen, kommen denn bei Dir verstärkt die Erinnerungen hoch an die Weltspiele in Berlin?

Na sicher, immer wieder. Ich bin ja im vergangenen Jahr schon als Nationaler Athletensprecher nach Turin gefahren zu den Weltwinterspielen und auch da kam die Erinnerung an Berlin verstärkt hoch. Wenn man da so im Austausch mit anderen Nationen ist und uns viele sagen, Berlin ist schwer zu toppen, dann weiß man, dass man gute Arbeit geleistet hat. Natürlich erinnere ich mich gern zurück.

Aber jetzt geht der Blick nach vorn.

Ja, es sind die ersten Nationalen Spiele für mich als Nationaler Athletensprecher. Das ist nochmal eine andere Perspektive. Und ich freue mich riesig drauf. Vor allem auf die Athleten, darauf, meine Freunde wiederzusehen. Und es freut mich so, dass alle wieder zeigen können, dass sie fleißig trainiert haben, und was sie können. Wir wissen selbst, dass die Athleten sehr emotional sind und das auch bei den Spielen zeigen. Sie setzen sich eigene Ziele. Und auch wenn sie die Ziele vielleicht manchmal nicht erreichen, sind sie trotzdem glücklich, dass sie teilgenommen haben.

Was hat sich denn in der Arbeit von Athletensprecher*innen seit Deiner Zeit als aktiver Sportler verändert?

Auf jeden Fall hat sich das Bewusstsein verändert. Es hat sich wirklich viel getan für die Athleten, sie werden in alle Sachen mit einbezogen, sie werden gefragt, was sie sich vorstellen können, was sie machen möchten. Also wir leben wirklich vor, wie Inklusion geht und wie die Athleten mit eingebunden werden können. Wir sind ja nun drei Jahre nach den Weltspielen in Berlin, und ich muss sagen, seither hat sich das echt positiv entwickelt.

Das hört sich sehr gut an.

In einigen Bundesländern könnte es noch besser sein, wenn es darum geht, für mehr Menschen mit Beeinträchtigung Sport möglich zu machen. Aber es ist halt immer wieder dieses Wie und eine Kostenfrage oder wer traut sich. Aber es geht, wir kriegen es hin und arbeiten weiter dran.

Dir ist es ein großes Anliegen, dass der Sport für Menschen mit geistiger Beeinträchtigung besser gefördert wird.

Genau. Denn der Sport ist unheimlich wichtig für Menschen mit geistiger Beeinträchtigung, vor allen Dingen für die Gesundheit, für sich selbst, um sich fit zu halten. Wer Sport treibt, kann sich seinen  eigenen Herausforderungen stellen, er ist motiviert, auch mal über die eigenen Grenzen hinauszugehen. Sport macht die Menschen stark und sie haben Teilhabe am Leben. Sie können selbst entscheiden, welchen Sport sie machen wollen. Sport ist so wichtig.

Auch für Dich. Kommst du eigentlich selbst noch zum Sporttreiben?

Sehr wenig. Ab und zu, wenn ich die Möglichkeit und Zeit habe, aber terminlich lässt sich das für mich eigentlich kaum mehr machen. Wir sind ja zu zweit, Mirjam Martinez Prahst und ich. Mirjam ist hier als Athletensprecherin und Athletin. Sie ist genauso wichtig für uns, sie ist sehr engagiert, sie motiviert die Athleten, sie macht ihre Arbeit mit Spaß und ist mit viel Lust dabei. Aber dadurch, dass ich in Berlin wohne und Berlin der Hauptsitz des Verbandes Special Olympics ist, bin ich einfacher greifbar für den Verband und komme deshalb nicht mehr so viel zum Sporttreiben.

Was nimmst Du denn mit aus deiner eigenen aktiven Zeit?

Mir hat der Sport sehr viel gegeben. Ich habe Freunde gefunden, es ist für mich wie eine zweite Familie. Ich selbst bin ja zum Sport gekommen, weil ein Teamkamerad aus dem Radteam bei mir ihm Haus gesagt hat, geh doch mal mit, du siehst so fit aus. Das motiviert mich, Athleten zu zeigen, guckt mal, das könnt ihr machen oder das, das könnt ihr noch leisten. Es ist unterschiedlich, was Athleten als Anstoß brauchen. Ich habe es damals angenommen und hätte nie gedacht, dass ich irgendwann mal Nationaler Athletensprecher werde.

Die Fragen stellte Ulrike Spitz.

Anmerkung: Dennis Mellentin und ich kennen uns, deshalb wird das Interview mit „Du“ geführt.

 

Bei Nennung der Credits steht das angehängte Foto zur kostenfreien Benutzung zur Verfügung.
Credit: SOD/ Sarah Rauch

Medienkontakt

Nadine Baethke

Pressesprecherin / Öffentlichkeitsarbeit
nadine.baethke@specialolympics.de
+49 (0)1577 / 13 69 108